Gedankenwirrwarr? Immer schneller, weiter und höher… Selbstverwirklichung und Persönlichkeitsentwicklung

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Bewusst habe ich mich die letzten Monate zurückgezogen. Aus privaten Gründen, aber auch weil ich gemerkt habe, dass schneller, weiter und höher um mich herum der ganz normale Wahnsinn geworden ist. Es ist faszinierend, aber es schüchtert mich genauso sehr ein. Überall hört man wie man erfolgreich wird, es wird erzählt, wie man sich finden muss um sein Ding zu machen, wie jeder einzigartig sein möchte (das ist sowieso jeder Einzelne von uns!)…. Dass man hart genug arbeiten muss um erfolgreich zu sein, wie man schnell zu Geld kommt, dass man sich mit Persönlichkeitsentwicklung sowie Selbstverwirklichung beschäftigen soll um ja große Erfolge zu erzielen. Die Liste ist viel länger und kann weitergeführt werden… Es gibt für vieles inzwischen Coachs, die dich deinen Träumen näher bringen. Selbst ernannte Experten, die zeigen, wie es geht und an welchen Rädchen gedreht werden müssen. Riesige Hallen gefüllt mit Menschen, die alle das gleiche Ziel haben, Spaß bei der Arbeit, viel Geld verdienen und erfolgreich werden. Allem in Allem geht es um die Verwirklichung unserer Träume. Hier trifft man den Nerv der Zeit. Und die Selbsthilfebücher boomen genauso wie der Markt an sich. Ob mit Videos, Online-Workshops oder Trainings. Man findet sich in einem Dschungel des „was will ich“, „lebe deine Träume“ und „werde innerhalb x Monate erfolgreich und sichtbarer“ wieder. Alles zielt darauf ab, zu helfen. Und hier stellt sich mir die Frage, ist das gut für mich?

Fotograf-Heidelberg-Lifestylefotografie-Portrait-Hut und Zeitschrift

An einer Hochzeit hatte ich ein interessantes Gespräch mit einer lieben Kollegin über den Wandel der Fotografenindustrie und ich konnte es nicht in Worte fassen, was mich zum Rückzug bewogen hat. Ich konnte ihr nicht erklären, was mich bewegt. Wieso es mich einerseits fassungslos macht und andererseits in seinen Bann zieht. Vielleicht, weil nichts an dem Ganzem falsch ist. Vielleicht ist es der große Einfluss, der alles auf mich hat, der mich mit einem unguten Gefühl hier sitzen lässt. Wenn Fotografen, die Wahnsinnsarbeiten abliefern mir erzählen, wie sie sich mit Selbstzweifeln herumplagen – Wenn der Alltag, das hier und jetzt, uns alle ins grübeln bringt…

Versteht mich nicht falsch, ich bin wie ein Schwamm und sauge Wissen auf. Für mich ist nichts dabei Geld mit seinem Wissen zu verdienen. Ich bilde mich unglaublich gerne weiter. Aber inzwischen bin ich mir nicht mehr sicher, wohin das führt. Da gibt es Unmengen an Podcasts die man hören soll, viele Trainer, Coachs und Berater, die Werbung machen und sich gegenseitig, zu allem Übel, pushen. Je mehr ich solche Podcasts, Bücher etc. konsumierte, desto weniger wusste ich was meine Ziele waren und ob ich diese erreiche – Paradox oder? Es sollte mir helfen und doch hat es mich mehr zerstreut als es mir recht war. Erst als ich den Konsum von den angesagten Gurus einschränkte, wurde mir bewusst, was mir die Fotografie gab. Was ich brauche, habe ich in mir. Nicht der Einfluss von außen, die Gedanken von anderen helfen, sondern wenn ich still werde und meinem Gefühl folge. Meine Intuition? Es ist nicht nur die Fotografie, die mir viel gibt, es sind die Begegnungen – die Menschen, die mir vertrauen, die mit mir lachen und deren schönste Momente ich festhalten darf. Vor allem  miterleben und dabei sein – Menschen, die noch nie vor der Kamera standen zu zeigen, wie spaßig ein Shooting ist. Für mich ein unglaublich schönes Gefühl. Es macht mich bis heute glücklich – über sechs Jahre. Ganz euphorisch komme ich nach einem Shooting nach hause, sichte mit voller Begeisterung die Bilder und freue mich über die tollen Stunden!

Je mehr ich an ein „erfolgreiches Business“ dachte, professioneller sein, sich weiterentwickeln, mit der Zeit zu gehen, desto weniger wusste ich was ich in meinem Leben möchte. Vielleicht ist es das was mich irritiert. Ich verlor mich in Kleinigkeiten. Es sollte alles perfekt sein. Verrückt, wie ich in meinen eigenen Gedanken gefangen war. Aber: Wenn ich fotografiere, bin ich präsent, im Flow, der sich einstellt und mich glücklich macht. Mein Anker, mein Fels, der mich zurück holt, wenn sich in mir ein Gedankenwirrwarr nach Recherchearbeiten im Internet auftut.

Für mich stand 2017 fest, weniger ist mehr. Und das habe ich die letzten Monaten beachtet. Ich folge nur noch ausgewählten Blogs, Trainern, Beratern und Kollegen, die mir in irgendeiner Weise ein Lächeln ins Gesicht zaubern – weniger Konsum – mehr Leben. Weniger Business – mehr echte Momente.

Somit war 2017 das Jahr der Veränderungen.

Voegel-Himmel

Ich war mit vielen Veränderungen konfrontiert. Manches war für mich seit langem ein wichtiger und stetiger Prozess, der schleichend einsetzte und in 2017 so richtig seine Wirkung entfaltete, anderes änderte sich aus der Situation heraus. Da ging kein Weg vorbei. Ich habe meine Schlüsse gezogen und nehme von Beiden Welten das Beste mit. Manchmal entschied ich weniger mit meinem Verstand, sondern mehr mit meinem Herzen. Und manchmal habe ich Fehler gemacht, weil ich keine Entscheidung fällte und habe damit den ein oder anderen vor den Kopf gestoßen. Allem in allem, ein Jahr im Wandel.

Wie ihr seht, bin ich mit Begeisterung dabei alles auf den Kopf zu stellen. Nach dem Motto von der lieben Juli, ich-änder-das oder sag-ja-zum-Leben. Vielleicht mag ich ihren Instagram Feed aus diesem Grund so gerne, weil sie ähnliche Gedanken hegt und diese schön in Worte fasst. Leicht verständlich spaltet sie komplexe Themen auf. Und das alles mit einer Portion Humor, die mich schmunzeln lässt.

Es ist gut sich eine Auszeit zu gönnen, Zeit für sich zu nehmen und nicht ständig das Gefühl zu haben, so wie ich bin, nicht gut genug zu sein. Ich finde auch heute noch schwer, diese Thematik in Worte zu fassen, vielleicht weil es mein Handeln beeinflusst – Produktiver sein – Leistung steigern… Ja das will die Welt mir immer wieder sagen. Ich kann noch mehr – und ich sollte – Meine innere Stimme sagt Stopp. Ich bin ausgestiegen aus dieser immer-weiter-schneller-höher Spirale.

Meinen inneren Wünschen und Bedürfnissen mehr Beachtung schenken, weniger auf die vernünftig klingenden, wohlmeinenden Ratschläge anderer Menschen hören. Das wird weiterhin meine Priorität sein. Denn am Ende bringt dich nur das weiter, was du wirklich willst und nicht, was dir die Welt zu sagen hat.

Somit ein kleines Fazit: Auch wenn alles um mich herum komplett außer Kontrolle geraten ist, weiß ich, dass das der ganz normale Wahnsinn ist…. Und auch der ist gut, so wie er ist ;)

In diesem Sinne,

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  • Denise Dreßler - Liebe Olivia,
    deine Worte sprechen mir aus der Seele. Sie treffen einen Nerv, Gedanken, die auch mich in den letzten Monaten mehr und mehr beschäftigt haben. Facebook versuche ich inzwischen fast zu meiden und bin immer seltener dort, weil mir der Spaß am Posten fehlt. Ich stelle mir unweigerlich die Frage: Wenn wir immer höher, schneller, weiter wollen, wohin soll das führen?
    Inzwischen versuche ich mich darauf zu besinnen, was mir Spaß macht. Versuche mich keinem Zwang zu unterwerfen, nach dem Motto, wenn du nicht mindestens 3x am Tag postest, wirst du nicht erfolgreich sein z. B. 
    Als ich jetzt in Norwegen im Urlaub war und mal wieder die gelassene Freundlichkeit der Skandinaven aus nächster Nähe erleben durfte, wurde mir klar. Das will ich für mich auch und das werde ich auch weitestgehend versuchen hier in Deutschland zu leben. Auch wenn wir eines der unentspanntesten Völker der Welt sind, werde ich mich da nicht mitziehen lassen. Es ist mein Leben, und ich bestimme, was ich an Wissen aufsaugen möchte und was ich davon wie umsetze.
    Vielen Dank für deinen Blogpost. Der hat mir wirklich sehr geholfen, weil ich dachte, ich wäre alleine mit meinen Gedanken. Jetzt weiß ich, dass dem nicht so ist. Dafür bin ich dir wirklich sehr dankbar.
    Liebe Grüße und geh du weiter deinen Weg. Anhand deiner Bilder sehe ich, dass es genau der Richtige ist. :)
    DeniseAntwortenCancel

    • Olivia - Wow liebe Denise! Erst einmal vielen dank für deinen langen Kommentar und deine Gedanken, die du mit mir teilst! Ich bin gerührt von deinen Worten! Ich freue mich, wenn ich dir damit aus der Seele gesprochen habe! Wir sitzen alle am Ende doch im gleichen Boot ;) Du hast mir richtig Lust auf Urlaub in Norwegen gemacht, es kommt defintiv auf meine Reisewunschliste – ein bisschen Entschleunigung tut schließlich immer gut! Fühl dich gedrückt! Liebe Grüße, OliviaAntwortenCancel

  • Monique - Das sind sehr schöne und wahre Worte liebe Olivia! Lange Zeit hat mir diese Erkenntnis, immer besser werden zu wollen ganz schön zu schaffen gemacht und mir irgendwie auch die Freude an der Fotografie genommen. Insgesamt dachte ich, man muss das und das unternehmen und wie Fotograf xy handeln, um erfolgreich zu sein.. Manchmal hatte ich das Gefühl, dass man nicht dazu gehört, wenn man keine Presets verkauft, Workshops gibt, einen bestimmten Bildstil hat und und und… Ich hab mich irgendwie nie angekommen gefühlt. Ich bin froh, dass ich mittlerweile weiß wer ich bin und was ich will. Sicherlich gibts Tage, die mich verunsichern aber die sind immer seltener da. Es ist ein schönes Gefühl, wenn man irgendwie weiß angekommen zu sein. Und was mir auch immer wieder hilft : nicht zu sehr an etwas festhalten und es einfach geschehen lassen. Meist kommt dann alles von allein!
    Du hast jedenfalls alles richtig gemacht und nach deinem Bewusstsein gehandelt, auf dich gehört und das kann nur gut sein. Du wirst deinen Weg schon gehen! Liebe Grüße, Monique AntwortenCancel

    • Olivia - Liebe Monique, ich danke dir für deine Gedanken und Worte und dass du sie mit mir teilst! Schön, dass du deinen Weg für dich gefunden hast. Ich finde du bist eine ganz großartige Fotografin! Somit wünsche ich dir, dass du weiterhin mit deinem Herzen handelst! Liebe Grüße, OliviaAntwortenCancel